November 26, 2008

Kommentar

Angesichts des drohenden Weltuntergang machen sich Visionäre neue Gedanken. Der Beitrag von Deutsche Welle Radio – Essay und Diskurs entwickelt spektakulär neue Einsichten:

In ihrem Beitrag „Ausstieg in die Zukunft“ stellt die Umweltpublizistin Cornelia Beuel aus einer idealistisch engagierten Perspektive die visionäre Frage, ob wir angesichts der drängenden Umweltprobleme ein anderes Welt- und Menschenbild benötigen. Brauchen wir nicht wieder eine stärker an der ökologischen Ethik ausgerichtete Kritik am Kapitalismus und seinen Lebensprinzipien?

Als ob es nicht jahrzehntelange (wahrscheinlich eher Jahrhunderte) Kritik am kapitalistischen und aufgeklärten Welt- und Menschenbild gegeben hätte, die sich zwar nicht explizit mit der ökologischen Frage beschäftigte, aber doch gerade in der Ablehnung der Wachstumsteleologie ähnliche Prämissen hatte. Besonders in Folge einer Kritik an der Moderne wie sie Nietsche vorgebracht hat, aber auch schon frühere Autoren. Sehr irritierend was hier als neu verkauft wird.

Oktober 30, 2008

Langeweile?

Anscheinend haben die Mitglieder des Bundestages in den Zeiten des anscheinend drohenden (an der Uni merk ich irgendwie nichts davon) Wirtschaftskollaps relative Langeweile. Streit über Antisemitismusresolution. Ich bin nicht sicher ob der Zentralrat sich nicht einmal der Rolle des Kommentators entziehen sollte (siehe Korn) und sich diesem Quatsch verweigern.

Auch die Bildzeitung macht in den letzten Tagen (wobei ich nur den Headliner im Vorbeigehen registriere) den Eindruck, als Löw und Ballack interessanter sind als 500 Milliarden Euro. Naja who cares.

Oktober 26, 2008

Isidor

Isidorus Hispalensis – De differentiis uerborum Cl. 1187, par. : 292, col. : 40, linea : 26

Indocilis est, qui penitus non potest discere.
Indoctus, qui nondum discit, et tamen discere potest.

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Oktober 25, 2008

it’s all in english

Hab heute ein Gespräch unter amerikanischen Studierenden hier in Heidelberg mitgehört.

Sinngemäß übersetzt, da mich mein Gedächtnis enttäuscht.

Und habt ihr hier schon mal recherchiert? Es ist toll alle Bücher sind auf Englisch, so dass ich meine ganze Lektüre ganz einfach in Englisch machen kann.

So viel zu neo-kolonialen Lingua Franca.

 

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Oktober 16, 2008

Theorie?

Und ich dachte das begegnet nur in der Geschichtswissenschaft:

Scientists mostly don’t know what a „theory“ is, nor should they?

Es geht natürlich um mehr, als bloße Theorieverdrossenheit, sondern um Fragen nach dem Inhalt von Begriffen wie Theorie, Fakt und Model.

 

Boing-Boing, Scientific Work, Science, Theory, Pseudoscience

Oktober 15, 2008

Geschichte/n

Während sich einige Fragen wie Twitter die Welt verändert, betrachte ich Twitter lieber einmal symptomatisch und frage mich wie symmetrische Kommunikation die Hohepriesterei der Geschichtswissenschaft beeinträchtigt.

Viralmythen spricht vom Systemglauben, der den Status der Massenmedien definiert und ihre Dominanz bei der zur Verfügungstellung von Informationen ermöglichte. In ähnlichen Gedanken stellt sich mir die Frage, (vielen Studenten des sogenannten Mittelalters wird das in ähnlicher Form bekannt sein) „Wer hat eigentlich die Historiker zu den Herren der Geschichte gemacht?“

Zweifellos gibt es im westlichen Kulturkreis eine gewisse Tradition der Geschichtsschreibung, die man häufig bei Herodot und Thukydides beginnen lässt und weiter führt über Sueton und Plinius oder später die Viten Karls des Großen … und der große Leopold von Ranke. Ranke wird häufig zum Gründervater der modernen Geschichtsschreibung bestimmt, die basierend auf Quellen durch kritische Analyse verstehen will, „wie es eigentlich gewesen ist.“ Die meisten heutigen Historiker behaupten, sie würden das nicht mehr wollen.

Der westliche Kulturkreis.

Was ist mit dem Rest der Welt? Dem hat die westliche moderne Geschichtschreibung die Erleuchtung gebracht, dass man Geschichte nur so, akademisch institutionalisiert und professionalisiert, schreiben kann. Besonders die Betonung einer nationalen Sinnstiftung durch Geschichte fiel auf fruchtbaren Boden und so entstanden bei der Dekolonisierung schöne neue Nationalismen, die sich dann „auf die Schlacht am Amselfeld“ berufen konnten.

Das es nicht nur diese akademischen Geschichten gibt, wird langsam deutlicher (Public History). Während sich das vor einigen Jahren noch auf Leserbriefe und Zwischenrufe in Vorlesungen („Ich war dabei, ich hab das anders erlebt“) beschränkte, entwickelte sich besonders durch das „jederkannschreiben“ Internet, die Möglichkeit, all die kleinen privaten subjektiven Geschichten und Geschichtchen zu erzählen.

Das Geschichte getwittert werden kann glaub ich kaum Aber Projekte wie „Wikistoria„, die eine Plattform bieten wollen, auf der jeder Geschichte schreiben kann, können eine Möglichkeit bieten, in der insbesondere auch jene Geschichten Gehör finden, die nicht dem Konsens entsprechen. Dies seien bespielsweise Frauen, Männer(als soziokulturelle Konstruktionen), Queers, Blacks, Migranten, fourth world groups, Politisch Verfolgte, Drogenkonsumenten und das ganze Feld der „Anderen“, das sich da auftut.

Das wäre ganz im Gegensatz zu der Wiki-Farce , die HSK und Clio-Net derzeit aufziehen wollen. Hier fühlt sich anscheinend eine priviligierte, noch dazu über die Begriffs- und Deutungshoheit herrschende, Minorität von den offenen Wissenplattformen in ihrer Kompetenz hintergangen.

Aber nicht nur die Hegemonität (im Sinne einer konsensualen Dominanz) der Historiker wird in ihrer „Wahrheit“ und „Natürlichkeit“ hinterfragt, sondern auch die der westlichen Kultur. Das Internet, zu Beginn seiner Entstehung tief im eurozentrischen weißen männlichen Diskurs verfangen, entwickelt sich zu einem immer stärker multipolaren und besonders multilingualen Netz, das nicht zuletzt ermöglicht andere Geschichte zu schreiben, als jene des Westens. Ich denke hier lässt sich Glocalization beispielhaft aufzeigen.

 

Geschichte, Internet, Hegemony, western culture, historians, university, postcolonial,

Oktober 8, 2008

Postkoloniales Mittelalter

Ich lese zur Zeit einen Sammelband zu postkolonialen Zugriffen auf mittelalterliche Geschichte. Darin ist auch ein Aufsatz, der sich mit der Verwendung von Spolien im postkolonialen England, will sagen poströmischen, auseinandersetzt. Nicholas Howe beschreibt wie Spolien aus dem Hadrianwall in die Kirchen der jungen Angelsächsischen Kirche eingebracht wurden. Er beschreibt sie als Überbleibsel kolonialer Herrschaft an der Grenze, hier am Wall ganz besonders, des Reiches. Dieses wird, im Gegensatz zu modernen postkolonialen Gesellschaften (diese häufig begegnende Grundidee postkolonialer Texte hinterfragt er gleichzeitig) nicht ausschließlich negativ gedacht. Beda VenerabilisEr verweist zum Beispiel auf Beda, der die Riesen der alten Zeit, die mit Stein bauten … rühmt. Zugleich verknüpft sich das Erbe des antiken Reiches mit dem jungen Christentum, dass in seiner expansiven Strategie, die Führung der bekannten Welt zum Heil, die Idee des römischen Imperiums und dessen Hauptstadt annimmt.
Die Benutzung von Spolien transportiert diese gedankliche Auseinandersetzung in die materielle Ebene. Er beschreibt eine angelsächsische Kirche, die quasi um eine Spolie herum gebaut wurde und das Erbe der römischen Welt im Schoß der Kirche gleichsam im Stein bewahrt und einschreibt.

(Howe, Nicholas, Anglo-Saxon England and the postcolonial void, in: Postcolonial Approaches to the European Middle Ages, hg. v. Kabir, Ananya – Williams, Deanne, S. 25-48)

Ecclisia und SynagogaEin Gedanke der mir hierbei kam, ist die Verwendung jüdischer Spolien in kirchlichen Bauten im Hoch/Spätmittelalter. Ich kann mir gut vorstellen dass im Stein antijuadaistische (und hier geht es konkret um die Überwindung von Synagoga durch Ecclesia) Programme und Symbolsprache festgehalten wurden. Zum einen steht die Kirche auf dem Erbe des alten Testaments zum anderen sind sie mit Füßen zu treten.

Gibt es hier zu Arbeiten?

September 27, 2008

Akademia

Ich besuche gerade eine Emeriti-Bespaßungs und Händeschüttelveranstaltung und es würde mich wundern, wenn einer der Anwesenden fünf Minuten nach Vortragsende noch weiß, was hier gesagt wurde.

Die Ausstellung beschäftigt sich mit Darstellung von Ritualen und ist hier in Heidelberg als Auftakt für die große RitualDynamics Tagung nächste Woche initiiert worden. Ist auch wirklich eine schöne Ausstellung und das Konzept bei der Erstellung ist nachahmenswert, da die Ausstellung einer Übung entsprungen ist und hauptsächlich durch Studierende organisiert wurde.

Zurück zur Grußwortplapperei. Ist es wirklich der postmodern ironische Bruch des eigenen Rituals des Grußwortes, wenn alle Redner auf seinen ritualhaften und damit auch überbwerteten, soziale (akademische) hierarchien konstituierenden, Charakter hinweisen. Oder vermögen es nicht gerade die ironische Brechung, die trotz allem vorhandene Hierarchie zu legitimieren und subtil zu stabilisieren.

So melde ich mich endlich auf diesem Blog mit einem kurzen Eindruck einer Ausstellungseröffnung hier in Heidelberg zurück.

Juli 5, 2008

mir fällt kein Titel ein daher: es geht um Digital History und Postmoderne

Ich beschäftige mich gerade mit Foucault und dem ganzen anderen post-zeug, das ich trotz der flapsigen Schreibweise meistens sehr interessant und für äußerst wichtig halte. Bedrückend hierbei ist nur, das eine wirkliche Beschäftigung mit post… (modern, strukturalistisch, kolonial) in den Geschichtswissenschaft kaum erfolgt. Eine Dozenten hat es gut auf den Punkt gebracht, es gibt diese äußerst schlauen theoretischen Erörterungen über Geschichte in der Postmoderne, aber sobald es an die Quellen geht wird Geschichte geschrieben wie früher. In der Einleitung steht dann, ja es gibt nicht die historische Realität, die wir aufdecken können, wir müssen den Diskurs über die Vergangenheiten beschreiben … (das ist schon fortgeschritten) und im Hauptteil wird dann trotzdem wieder Geschichte geschrieben wie das Historiker seit Jahrzehnten tun. Entweder mit Ereignissen oder Strukturen und wenn sie hip sind mit beidem.

Soviel zum Rumgemecker. Die eigentliche Frage, die für mich aufkommt, ist, wie man dem Diskurs in der Digital History auf die Spur kommen könnte. Nicht der Diskurs der Digital History, sondern wie kann man Geschichtschreibung, die sich mit der Kreation von Geschichte, Identität und Wissen und den Machtbeziehungen, die sich in diesem Prozess materialisieren, im Internet transportieren. „Klassische“ Darstellungen von Geschichte im Internet sind nun häufig Chronologien (in Form von Timelines) oder das Aufzeigen von synchronen Entwicklungen irgendwo auf der Welt bei Google Maps. Das hat aber kaum Erkenntniswert und bleibt bei Darstellung hängen. Wo für mich auch das Problem der Darstellung aus vielen Perspektiven liegt. Häufig kann man ohne Problem unterschiedliche Gruppenspezifische Vergangenheiten rekonstruieren, die miteinander in Konkurrenz stehen und unterschiedliche Gegenwartsbezogene Positionen untermauern sollen.

Besonders schön sieht man sowas in dem Landstrich der landläufig als Israel oder Palästina bezeichnet wird.Schon allein die Unterscheidungen, die sich in Bezug auf Vergangheit und daraus die Konstruktion einer Identität im allein jüdischen Diskurs ergeben sind kaum zu überschauen. Hier entstehen binäre Paare wie Galut und Eretz Israel, Einwanderung und Auswanderung, der neue Hebräer – der alte „Ghettojude“. Erweiterbar in der israelischen Gesellschaft durch kulturelle und die Identität des Staates herausfordernde Konflikte zwischen Aschkenazim und Mizrahim (Jüdische Einwanderer aus Staaten des Mitteleren und Nahen Ostens). Wenn dieser Diskurs noch durch die häufig zu Grunde liegende Problematik des Konflikts zwischen Palätinensern und (ja was schreib ich jetzt) Israelis/Juden erweitert wird, ergeben sich zahlreiche Vergangenheiten, die als grundsätzlich wahr angesehen werden. DIese werden herangezogen zur Konstruktion einer Legitimation des eigenen Handelns und zur Stiftung einer Identität inklusive der nötigen Exklusionsprozesse.

Wie soll man so etwas im Rahmen digitaler Geschichtsschreibung, die über die klassische Rezeption papierner Publikationstechniken hinausgeht darstellen. Wenn man versucht die verschiedenen Vergangenheiten zu rekonstruieren bleibt man dann eben nicht nur auf der darstellende Ebene und kommt kaum zu einem Ergebnis. Wie lassen sich Machtprozesse (im positiven wie negativen Sinne Foucaults) visualisieren, so dass eine erweiterte Nutzung über den Text hinaus ermöglicht wird und ein ganz anderes Verständnis produziert wird.

Juli 2, 2008

Hug the nazi Austria!

Die Künstlergruppe Monochrom bei BoingBoing tv