the virtual … exceptional space

Posted on Juli 8, 2012

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Nachdem ich den interessanten und doch schon etwas älteren Text – It’s just a game – von The nuclear Unicorn  in meinem Pocket Reader endlich gelesen habe, will ich ihn sogleich mit meiner imaginierten Bubble teilen. Und quasi die im Text beschriebene diskursive Konstruktion der virtual world für mich selber weiter vorantreiben.

So spannend ich den Ansatz finde, Agambens Idee vom Ausnahmezustand (die räumliche Variante) zu verwenden um den Cyberspace  oder die sogenannte Virtual Reality zu beschreiben, so hab ich doch daneben irgendwie Probleme mit der heteronormativen Machtstruktur, welche die Autorin identifiziert. Und zwar nicht hinsichtlich des gegenwärtigen Verhaltens (sagen wir mal die letzten 15 Jahre –  ich bin Historiker – ) wo ich sehr einverstanden bin, mit den beschriebenen Aneignung- und Verteidigungspraktiken und besonders mit der diskursiven ver-un-echtung des virtuellen Raums seitens weißer maskuliner Akteure.  Was mich gerade in meiner Rolle als Historiker mehr irritiert am Cyberspace, ist die Kontinuität seiner räumlichen Konstruktion, lange bevor die Möglichkeit/Notwendigkeit eines spacings und mappings der Welt hinter dem Bildschirm bestand. Die Kontinuität der Qualität dieses Raumes, welcher sich durch eine gewisse ethereality auszeichnet, ist hier auch zu nennen.  Letztlich behaupte ich, dass dieses virtuell sein, eben nicht nur auf das „it’s just a game“-sprechen der mmorpg Welt der Gegenwart zurückzuführen sei, sondern frei mit ANT dem elektronischen Netzwerk irgendwie inhärent ist, inwiefern, dass gilt es zu untersuchen.

Zurück zum Text. Der Verweis auf Agambens Ausnahmezustand macht es sogleich noch reizvoller, sich diesen seltsam anderen Raum, der doch inkludiert ist, in einer irgendwie vorhandenen Realität, in seiner historischen Gewachsenheit anzusehen. Der Mythos vom Cyberspace als erfahrbarer Raum ist eine Übersetzungsleistung, welche sehr früh im Sprechen über das Netz-Ding etabliert wird. Die großartigen arpanet dialogues mit so widersprüchlichen Teilnehmern wie Edward Said, Jane Fonda und Ronald Reagan zum Beispiel: Hier waren Mitte der 70iger Jahre, noch einige Zeit vor Gibbsons Neuromancer Triologie und ohne den etablierten Mythos des vernetzten Raumes, Raummetaphern, das Mediale als irgendwie in einem anderen „virtuellem“ Raum seiende vorhanden. [Daneben ist es sehr aufschlussreich den Dialog von Said und Reagan zu lesen. Die Vermarktung und freie Wirtschaft der Technologie einerseits, und die Möglichkeit des freien Raums für ein anderes besseres Politik machen andererseits, verweist schon 1975 auf Pfade, welche sehr leicht in den gegenwärtigen Netz-Aneignungspraktiken zu erkennen sind.]

Die Autorin weist selbst auf die Problematik hin, dass Agambens Ausnahmezustand in Ableitung von Schmitts Begriff des Souverän ein Beschreibungsmodell ist, welches elitäre und etatistische Machtstrukturen erfasst. (Staatlich ist vielleicht verwirrend, aber bei Schmitt und Agamben ist der Ausnahmezustand der Raum, welcher durch sein außerhalb des Staats/Rechts Stehens, den Staat/das Recht ermöglicht und somit essentiell für den Staat ist) Der Ausnahmezustand ist gemeinhin gerade der Raum, in welchem Macht  gegen die „Bewohner“ jenes Raumes ausgeübt wird. Es ist der Unterdrückungsraum. Das die Technologie des vernetzten Rechners insofern angeeignet wurde, dass sie einen „freien“ teils explizit anti- oder illegalen Raum ermöglicht, ist hierbei neu und weist auf Probleme hin Agambens Text zu verwenden.

Zudem bereitet es mir gewisse Schwierigkeiten den ahistorischen soziologischen Befund, welcher sich gerade mit den Online-Communities des Web 2.0 auseinander setzt, als historische Konstante bei dieser Technologie anzuerkennen. Dem Befund, dass das Netz eine heteronormative, maskuline Sphäre war und ist, widerspreche ich dabei keineswegs. Ich frage mich aber, welche Unterschiede sich zwischen den Netzen der 70er, 80er und 90er … Jahre zu finden sind (die willkürliche Periodisierung in 10er Schritten ist absolut ohne sinn…) .

Ich glaube ich konnte deutlich machen, dass der Text sehr lesenswert ist und mich hinreichend inspiriert und verwirrt hat 🙂

irgendwie passt diese ganze it’s just a game Sache sehr gut zu der Kritik (Femgeeks) am Dradio Netzreporter Talk zu Sexismus in Spielen und nicht so reflektierten Gegenkritik ( hauptsächlich auf Twitter was außerhalb meiner Filterblase ist)

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