Mein Körper? Deus Ex: Human Revolution

Posted on November 10, 2011

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Meine erste Deus Ex Human Revolution Erfahrung endete vor knapp einem Monat mit frustriertem Kopfschütteln und der Frage, warum es möglich ist sich in einem solchen Spiel zu verskillen, und die falsche Waffe dabei zu haben, und keinen ordentlichen Speicherstand in der Vergangenheit … Es ist offensichtlich worauf das hinaus läuft, das Spiel ist schuld nicht ich.

Inhaltliche Nacherzählungen zu Deus Ex gibt es zahlreiche da draußen, deshalb ist es nicht nötig hier eine weitere anzufügen. Wichtig und überraschend war für mich vielmehr, dass sich das Spiel (im Sinne von Gameplay) tatsächlich fundamental ändert, wenn man unterschiedliche Wege oder Taktiken verfolgt. Beim ersten Mal spielen konnte ich Sergeant Wayne Haas larmoyantes, weinerliches Gehabe nicht ertragen (und bleibt man in der Rolle die Jensen bei der Einleitung des Gesprächs einnimmt mein Protagonist auch nicht) also … reiß dich mal zusammen … es ist alles deine schuld … du kannst doch nicht einfach Kinder abschlachten … Stieß eher auf eine Trotzhaltung und so machte ich mich auf, über andere Wege in das Gebäude einzudringen, klappte auch super gut, nur irgendwann hatte ich auf meinem Weg vom Dach zum Keller schätzungsweise 50 Polizisten oder mehr getötet und ich fühlte mich in meiner Rolle als Jensen nicht mehr wohl. Dieses Blutbad an den letzten verbliebenen Ordnungshütern im kurz vor der sozialen Implosion stehenden Detroit, blieb auch noch unkommentiert. Als ob niemand merken würde, dass ich gerade das Polizeirevier ausgelöscht habe. Warum merkt es niemand? Ist es schwer einen „Bösartigkeits“-Sensor einen Ruf oder ähnliches einzubinden, Fallout zeigt ungefähr wie das funktioniert. Ein Spiel, dass damit wirbt moralische Entscheidungen einzufordern, muss auch das Töten von Menschen bewerten.
Das Gameplay und die Zeit, die ich im Polizeirevier verbrachte veränderten sich dramatisch, bei der Zeit kann man sogar von exponentiell sprechen. Während ich als erfolgreicher social engineer, glücklich durch das Revier stapfte, ein zwei freundliche Kopfnicker in Richtung des Constaples oder des Lieutenants, brauchte ich für eine Etage, schleichen – entdeckt werden – frustriertes abschlachten ungefähr eine Stunde, zählt man die raschen Tode und Neuladen und Fluchen hinzu. Als ich im Leichenschauraum ankam, dämmerte mir, das ich möglicherweise etwas „falsch“ gemacht habe. Jedenfalls für mich falsch, denn ich bin an der Konsole echt schlecht was Shooter anbelangt.
Wie fühlt sich DXHR an? Man betritt diese Welt als Security Chef einer umstrittenen Firma die Human Augmentation zu ihrem Wirtschaftszweig gemacht hat. Jüngst hat die Chefentwicklerin etwas Ominöses entdeckt, es scheint die Möglichkeiten der Augmentation zu erweitern (but who knows). Es kommt jedenfalls kurz vor der großen Präsentation in Washington zu einem Überfall, bei dem das Labor und der Protagonist selbst weitgehend zerstört werden. Ein halbes Jahr später wache Ich als Super Aug auf, was der Name jener Cyborg-Mensch Spezies im Spiel ist und versuche mich neu zu definieren als Security Chef der einmal versagt hat, als übermäßig veränderter Körper und als skeptisch gegenüber den allgemeinen Erklärungen zum Vorfall. Die Charaktere auf die ich treffe, der Chef der Firma, der am liebsten alles zu Gunsten des Stakeholder Values vergessen würde oder der IT-Sec.-Mann, der nicht umhin kann den Tod der Chefentwicklerin mir vor zuwerfen, verbleiben doch sehr unflexibel in ihren Rollen. Das ist eines der großen Mankos an Deus Ex. Während die Welt wirklich großartig designt wurde und diese hypertechnisierte, „prä-apokalyptische“ Stimmung deutlich an Bladerunner, Strange Days oder auch Ghost in the Shell also Cyberpunk erinnert, scheinen die Charaktere platt, die Dialogoptionen offensichtlich und einseitig.

Wall Punch DXHR

Es bedeutet nicht das Deus Ex ein schlechtes Spiel ist, im Gegenteil, der Thrill den man schon zu Anfang empfindet, wenn man sich durch die Söldnerhochburg schleicht ist ergreifend. Die Augmentations sind vernachlässigbar, sie machen im Gegensatz zu Level-Loot-Spielen wie Diablo oder auch Mass Effect wenig aus. Potentiell kann man sich wahrscheinlich durch das Spiel schleichen ohne einmal auf die Erweiterungen des Körpers zurückzugreifen. Was einerseits sehr gut ist, da es den Skill des Spielers, vergleichbar klassischen Shootern fordert und andererseits den Rpg Anspruch noch geringer werden lässt. (Ich weiß nicht ob sich diese Aussage hält wenn man das Spiel auf Schwer zockt) Im Rahmen der Story ist es aber problematisch. Denn schon im ersten Kapitel scheint es für einen selber und die Welt um einen herum, wenig anderes Interessantes zu geben als den Körper des Protagonisten. Augmentations sind das Gesprächsthema Nr. 1 in Zeitungen, ebooks auf der Straße, selbst die „Working Ladys“ verweigern ihre Dienste im Anblick meines Titan-Neuro-Chip-whatever Leibes. Und doch kommt nicht das Gefühl auf, dass ich einen solchen Körper besitze. Auch wenn ich die 10. Wand in einer SlowMo-Animation zertrümmere, ist es nicht mein Körper als Protagonist, der hier seine schrägen unmenschlichen Arme benutzt. Vielleicht liegt es genau an dieser Animation, die mich in die beobachtende Position eines Dritten zwingt und nicht in Ego-Perspektive diese Wand zerstören lässt.
To be continued…

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Posted in: Spiele