mir fällt kein Titel ein daher: es geht um Digital History und Postmoderne

Posted on Juli 5, 2008

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Ich beschäftige mich gerade mit Foucault und dem ganzen anderen post-zeug, das ich trotz der flapsigen Schreibweise meistens sehr interessant und für äußerst wichtig halte. Bedrückend hierbei ist nur, das eine wirkliche Beschäftigung mit post… (modern, strukturalistisch, kolonial) in den Geschichtswissenschaft kaum erfolgt. Eine Dozenten hat es gut auf den Punkt gebracht, es gibt diese äußerst schlauen theoretischen Erörterungen über Geschichte in der Postmoderne, aber sobald es an die Quellen geht wird Geschichte geschrieben wie früher. In der Einleitung steht dann, ja es gibt nicht die historische Realität, die wir aufdecken können, wir müssen den Diskurs über die Vergangenheiten beschreiben … (das ist schon fortgeschritten) und im Hauptteil wird dann trotzdem wieder Geschichte geschrieben wie das Historiker seit Jahrzehnten tun. Entweder mit Ereignissen oder Strukturen und wenn sie hip sind mit beidem.

Soviel zum Rumgemecker. Die eigentliche Frage, die für mich aufkommt, ist, wie man dem Diskurs in der Digital History auf die Spur kommen könnte. Nicht der Diskurs der Digital History, sondern wie kann man Geschichtschreibung, die sich mit der Kreation von Geschichte, Identität und Wissen und den Machtbeziehungen, die sich in diesem Prozess materialisieren, im Internet transportieren. „Klassische“ Darstellungen von Geschichte im Internet sind nun häufig Chronologien (in Form von Timelines) oder das Aufzeigen von synchronen Entwicklungen irgendwo auf der Welt bei Google Maps. Das hat aber kaum Erkenntniswert und bleibt bei Darstellung hängen. Wo für mich auch das Problem der Darstellung aus vielen Perspektiven liegt. Häufig kann man ohne Problem unterschiedliche Gruppenspezifische Vergangenheiten rekonstruieren, die miteinander in Konkurrenz stehen und unterschiedliche Gegenwartsbezogene Positionen untermauern sollen.

Besonders schön sieht man sowas in dem Landstrich der landläufig als Israel oder Palästina bezeichnet wird.Schon allein die Unterscheidungen, die sich in Bezug auf Vergangheit und daraus die Konstruktion einer Identität im allein jüdischen Diskurs ergeben sind kaum zu überschauen. Hier entstehen binäre Paare wie Galut und Eretz Israel, Einwanderung und Auswanderung, der neue Hebräer – der alte „Ghettojude“. Erweiterbar in der israelischen Gesellschaft durch kulturelle und die Identität des Staates herausfordernde Konflikte zwischen Aschkenazim und Mizrahim (Jüdische Einwanderer aus Staaten des Mitteleren und Nahen Ostens). Wenn dieser Diskurs noch durch die häufig zu Grunde liegende Problematik des Konflikts zwischen Palätinensern und (ja was schreib ich jetzt) Israelis/Juden erweitert wird, ergeben sich zahlreiche Vergangenheiten, die als grundsätzlich wahr angesehen werden. DIese werden herangezogen zur Konstruktion einer Legitimation des eigenen Handelns und zur Stiftung einer Identität inklusive der nötigen Exklusionsprozesse.

Wie soll man so etwas im Rahmen digitaler Geschichtsschreibung, die über die klassische Rezeption papierner Publikationstechniken hinausgeht darstellen. Wenn man versucht die verschiedenen Vergangenheiten zu rekonstruieren bleibt man dann eben nicht nur auf der darstellende Ebene und kommt kaum zu einem Ergebnis. Wie lassen sich Machtprozesse (im positiven wie negativen Sinne Foucaults) visualisieren, so dass eine erweiterte Nutzung über den Text hinaus ermöglicht wird und ein ganz anderes Verständnis produziert wird.

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