William Gibson

Posted on Mai 29, 2008

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Habe gestern einen Beitrag des  dradio gehört in dem unter anderem William Gibson, den ich seit Neuromancer verehre für die Vorstellung des Cyberspace, die er in diesem Werk entwickelt, zum Thema gemacht wurde.

Nun ja eigentlich ging es in dem Beitrag um sein neuestes Werk „Quellcode“, dass an sich ein vielschichtiges und tranceartiges Werk ist, indem kaum jemand weiß für wen und warum er überhaupt tut was er tut. Wichtig warum ich darauf hier zu sprechen komme, ist das Prinzip der Locative Art, auf das Gibson in seinem Roman ausführlich zu sprechen kommt und das in seinen Möglichkeiten glaube ich bisher kaum ausgedacht wurde. Locative Art ist eine Kunstform im Rahmen der locative Media, die geodaten (zumeist gps) nutzt um virtuelle Kunst im realen Raum zu verorten, diese aber eben nur mittels virtueller Realität erfahrbar werden lässt. Hierzu benötigt werden also Wifi, Laptop und VR – Helm oder Brille auf dem Kopf. Würde man diese Applikationen effektiv verkleinern, so dass sie den Stadtbummel nicht mehr zu Qual machen, könnte man geradezu grandios Stadt – und eigentlich auch jede andere Geschichte erzählen. Bei Stadtgeschichte finde ich es jedoch am offensichtlichsten. Die Daten über Stadtbefestigungen und Stadttopographie im Wandel der Zeit sind in vielen Städten, besonders jenen mit starker Bauaktivität, meist in ausreichender Form vorhanden. Jedenfalls in so ausreichender Form um ein haltbares Konstrukt einer Stadt zu erschaffen, das Geschichte auf eine ganz andere Weise erfahrbar machen würde. Hinzu kommen, spätestens ab dem Spätmittelalter, in viele Städten Daten zur Sozialtopographie, biographisches, historische Treppenwitze … Die Geschichte einer Stadt könnte auf rein intuitive Art erforschbar werden und würde nicht mehr der Willkür irgendwelche Stadtführer, die zum größten Teil Heimatpatriotismus vom Stapeln lassen. Als Kontrastprogramm hierzu würde zum Beispiel eine Installation die die Bücherverbrennung thematisiert an den entsprechenden Orten, bestenfalls mit Audiounterlegung, interessantere Wirkungen zeitigen als die Betroffenheitsrhetorik der meisten Feuilletonisten derzeit.

Also schafft die Museen ab und steckt das Geld in digitale Technik damit der urbane Raum nicht auf Stellwände und in Vitrinen gepresst werden muss, sondern erfahren werden kann, wie man Städte erfährt in Bewegung im Dahinstreunern und sich treiben lasssen.

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