Spurenlese Frankreich II

Posted on Februar 22, 2008

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Das jüdische Viertel des zeitgenössischen Paris erinnert zwischendurch wenn man bei Pitzmann oder Panzer steht an ein kleines Shtetl das sich eingeschlossen hat auf den „Ruinen“ seines Vorgängers (Marais zeigt was viele Historiker der jüdischen Geschichte nicht zu denken vermögen oder wagen. Man braucht keine zeitliche Kontinuität für eine räumliche – hier sogar auf das Viertel beschränkte Kontinuität). Ein Graffito aus dem Marais: imiter toujours égalité jamais

Quatier Latin

Noch zuvor an diesem Tag wurden die merowingischen und römischen Reste, die sich im Quartier Latin erhalten haben betrachtet. Hier im alten Zentrum der Stadt kann man die ausgegrabenen römischen Thermen sehen und besonders das Hotel Cluny zeigt eine Ahnung des mittelalterlichen Paris, das Haussman so famos vernichtet hat.PIC053

Die These wurde vorgeschlagen, dass der Name des Viertels sich eher nicht von den Magistern und Scholaren und ihrer Kenntnis der alten Sprache herrührt, sondern sich hier im antiken Kern Lutetias eine von der Identität her separierte Gruppe von romanisch Sprechenden Parisern erhalten hat in Abgrenzung zur fränkischen Bevölkerung.

Troyes

Institut Universitaire Européene Rachi, kleines Institut dass es sich zur Aufgabe gemacht den Namens Rashis in der eigenen Stadt und natürlich darüber hinaus etwas bekannter zu machen. Versuchen auch universitäre Projekte und Forschungen zu fördern oder selber aufzugreifen. Wichtiger für die studentischen Teilnehmer war wohl eher die Erfahrung der Stadt, ihrer Architektur und Topographie. Auch wenn sie baulich durch das 15. und 16. Jahrhundert geprägt ist, hat sich trotz vieler Brände und Zerstörungen die mittelalterliche Struktur erhalten, ähnlich wie in Sens in dem ein kurzer Stop eingelegt wurden eine kolossale spätgotische Kathedrale, die für meine modernen Augen ein wenig (rein vom Wissen her ist es klar, dass diese Sakralbauten in diese Städte gehören) deplaziert wirken.

Wirklich traurig ist, dass das bei weitem aktivere jüdische Früh- und Hochmittelalter in Frankreich noch weniger Spuren hinterlassen hat, als das mitteleuropäische. Da kann man fast begeistert sein wenn man wenigstens ein paar bauliche Strukturen hat, die auf eine Vergangenheit hinweisen, die uns nicht nur von schriftlichen Quellen her suggeriert wird, wie zum Beispiel die Mikwe in Köln. Im Gegensatz hierzu die „Kratzereien“ in Rouen oder eben die negativen Darstellungen und antijüdischen Bildprogramme an den Kathedralen, oder Straßennamen wie „la petite Juiverie“ in Troyes.

 

 

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