Exkursion Frankreich – Spurenlese

Posted on Februar 19, 2008

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Heute habe ich im Rahmen einer Exkursion zu den mittelalterlichen Spuren jüdischen Lebens das „Monument Juif“ in Rouen besucht, um einen Eindruck zu finden, was dieses Gebäude unter dem prächtigsten Palais de Justice, den meine Augen wohl jemals erblicken werden (sehr ausschweifender Renaissance Bau, der schon immer als Justizgebäude genutzt wurde und so große Advokaten wie Corneille in sich beherbergte) sich an jüdischen Spuren des Mittelalters erhalten hat.

Nun gut bei Restaurierungsarbeiten Mitte der 70er Jahre wurde durch Zufall ein monumentaler romanischer Bau im Hof des Palais entdeckt und danach in einer Grabung freigelegt. Das Monument (Mauerstärke von 1.30 m bei einer Fläche von 10×14 m ) liegt parallel der Rue aux Juifs in der Altstadt von Rouen. Während den Ausgrabungen wurden unter anderem in den noch erhaltenen Mauern des Erdgeschosses 10 hebräische sowie 10 weitere Graffiti gefunden. Nun ja, das ist die erste Erscheinung jüdischen Lebens und jüdische Kultur im 11. Jahrhundert (wenn es aus dem 11. Jahrhundert stammt, schließlich wurde dieses Gebäude mindestens bis zum Ende des 13. Jahrhunderts genutzt) in der Normandie, aber auch eine unter den Ersten in diesem Breitengrad in Europa.

Norman Golb kam dann auf die Idee (aus einer mir sich nicht erschließenden Eingabe Gottes heraus) das dieser Bau eine Jeshiva beinhaltet habe und das Bildungszentrum in Europa gewesen sei mit 200 Studenten und natürlich den größten Gelehrten seiner Zeit.

Wir konnten beobachten, dass Golb wenig fundierte Annahme publiziert, denen jegliche Quellenbasis fehlt. Die hebräischen Kratzereien in den Steinen geben keinerlei Hinweise auf die Nutzung dieses Gebäudes. Synagoge, Jeshiva und Wohnhaus eines (natürlich) reichen Judens können das Gebäude nicht widerspruchslos erklären. Selbst eine Nutzung außerhalb eines jüdischen Kontext ist denkbarer als obige Ideen. Frau Weber eine Konsthistorikerin von der Hochschule für Jüdische Studien dachte bei der Betrachtung der Ruinen im Kontext der Rue aux Juifs eher an ein Tanzhaus, das als Gemeindehaus und Herberge diente.

Nachdem Golb widerlegt wurde, betrachteten wir heute noch die Kathedrale und Abtei von Rouen, um noch einen etwas katholischeren Eindruck zu bekommen. Wundervolle beeindruckende gotische Architektur, die mich richtig in die Kniee gepresst hat. Ganz anders die noch gestern besuchte St. Remy in Reims. Natürlich auch eine sehr beeindruckende Architektur, aber die romanische Bau wirkt viel umschließender und wärmer als die Himmelserfahrung in den Spätgotikbauten

 

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