Ein letztes Mal Hrotsvit

Posted on Februar 17, 2008

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Herrschaft und Hrotsvit sind zwei wie ich schon in einem früheren Beitrag dargelegt habe sehr eng mit einander verwobene Sphären. Die enge Verbindung Gandersheims zur sächsischen Herrschaftselite zeigt sich besonders in der Memoriafunktion des Kanonissenstifts, als auch dadurch, dass Gandersheim meist eine sächsische Prinzessin als Äbtissin vorgestanden hat. (es gibt noch viele weitere Beziehungen)

Interessanter aber denke ich, ist wie und auf welche Weise Hrotsvit in ihren Dramen, Legenden und besonders in ihrer Gesta Ottonis am Herrschaftsdiskurs ihrer Zeit teilnahm. Ich habe mich in meiner Seminararbeit auf das Drama Gallicanus beschränkt und die Darstellung Konstantins und Gallicanus bei Hrotsvit analysiert. Insbesondere bei der Beschreibung der Schlacht zeigen sich Entsprechungen in zwei vielleicht bekannteren Autoren ihrer Zeit Widukind von Korvey und Liudprand von Cremona. Die beiden beschäftigen sich in ihren Werken (Widukind, Res gestae saxonicae; Liudprand, Antapodosis IV) unter anderem mit der Schlacht von Birten 939 und der Schlacht vom Lechfeld 955 (beide sowohl bei Wikipedia als auch im Lexikon des Mittelalters zu finden).

Und in dieser Darstellung eines Herrschers  und herrschaftlichen Verhaltens in der Schlacht zeigen sich ausdrückliche Parallelen (die weniger auf ein Kopieren als auf eine gemeinsame Idee von Herrschaft hinweisen) im Gallicanus der Hrotsvit.

Zur Schlacht von Birten schrieb Widukind, dass Otto seinen Truppen auf der anderen Ufer des Rheins, die von einem plötzlichen Angriff der Feinde überrascht wurden und sich nun dem Tode nahe sahen, nicht zu Hilfe
kommen konnte und das einzig mögliche tat.

Unde ad Deum supplices expandens manus rex ait: ‘Deus’ inquit, ‘omnium rerum auctor et rector, respice populum tuum, cui me preesse voluisti, ut, ereptus ab inimicis, sciant omnes gentes ullum mortalium tuae dispositioni contraire non posse, qui omnia potes et vivis et regnas in aeternum’; Res gestae saxonicae, in: Quellen zur Geschichte der sächsischen Kaiserzeit , S. 104.

Er betet, er setzt sich in eine Traditionslinie mit dem erwählten Volk Israel und seinem Führer Moses. Die Translatio des Imperiums zeichnet sich gleichfalls ab. Aber gewichtiger ist was er tut, er unterwirft sich so vollständig Gott wie es nur ein guter Herrscher vermag, der höchste unter den Knechten des Herrn. Bei Liudprand ist das noch deutlicher, im Tränen verströmenden Knieen vor den Nägeln des Herrn. Und genau dieses Verhalten verlang Hrotsvit von ihrem Heerführer Gallicanus, um mit Liudprand gemeinsam zu gleichen Schluss zu kommen:

quantumque iusti viri, secundum beati sententiam Iacobi, tunc valeret oratio, res manifesta probavit. Antapodosis IV, in: Quellen zur Geschichte der
sächsischen Kaiserzeit, S. 426

Quanto magis valet intenta precatio quam humana praesumptio (Hrotsvit Gallicanus IX)

Wieviel mehr vermag das Gebet als menschliche Vermessenheit. Ich denke hier zeigt sich eines der Hauptanliegen Hrotsvits in ihren Dramen. Ein politisches Programm geradezu eine Handlungsanweisung, die vom sächsischen Adel Gottvertrauen und Unterwerfung unter Gott gleichermaßen fordert. Und hierfür den wahren Sieg in Aussicht stellen kann, den Aufstieg ins himmlische Paradies.

 

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