Ego Clamor Validus

Posted on Februar 5, 2008

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Hrotsvit von Gandersheim

Ich schreibe gerade eine Seminararbeit über das Drama „Conversio Gallicani principes milicie“ (zu finden in  Hrotsvit, Opera Omnia, ed. Berschin, München 2001). Und versuche den Text auf seine Herrscherfiguren und Darstellung der Virgines zu untersuchen.

Insbesondere der Ansatz von Gabrielle M. Spiegel, der die soziale Logik eines Textes, wenn man ihn als situativen Sprachgebrauch, der in einer lokal begrenzten und geschichtlich verorteten Zeit von Statten geht betrachtet, herausarbeitet und so eine historisierende, aber trotzdem die Problematiken der poststruktualistischen Linguistik akzeptierende Analyse erlaubt.

Um es in ihren Worten zu sagen:

Wenn Sprache als eine Art implizierter Gesellschaftsvertrag erscheint, der die Sprecher an ihre Regeln bindet und so Kommunikation und Sinnproduktion überhaupt erst möglich macht, dann ist jede Sprache notwendigerweise eine historisch spezifische Erscheinung, für deren Untersuchung eine historisierende Betrachtungsweise eigentlich die geeignetste sein müsste. (Spiegel, Geschichte Historizität und soziale Logik, in: Geschichte schreiben in der Postmodern, hg. v. Conrad und Kessel, 1994 Stuttgart.)

Ist denke ich ein sehr spannender Ansatz, der es ermöglicht, auch wenn Sprache und damit jeder historische Text die Welt als solche erst konstruiert und nicht ihre eigenen Grenzen zu sprengen vermag, den Gebrauch der Sprache und damit ihre historische Determination festzustellen und weiter Geschichte zu schreiben yeah !

Hrotsvits Text erscheint als Adaption der Passio des Gallicanus und der Brüder Johannis und Paulus (in den Acta Sanctorum von 1709, Bd. 5 Junii, auch zu finden online unter http://acta.chadwyck.co.uk

Anhand dieser Quellen will ich versuchen herauszuarbeiten wie Hrotsvit Herrscherfiguren und Jungfrauen konstruiert und imaginiert. Helfen werden mir hierbei insbesondere auch die Darstellung Widukinds von Corvey und Liutprands von Cremona, die als Zeitgenossen Hrotsvit gleich ihr die Herrschaft Ottos I beschrieben haben und so, als von einem ähnlichen Herrschaftskonzept geprägte Autoren zu denken sind. Diese Auffälligkeit zeigt sich insbesondere bei der ähnlichen Bearbeitung der Schlachtensiege Ottos bei Birten und am Lechfeld und des Sieges Gallicanus gegen den Skythenführer Braden in Thrakien. Ich denke, auch wenn die Konzeption des Sieges des Gallicanus entsprechend der seines „quasi socer“ Constantin eher spätantik ist, so ist es eindrücklich, dass Hrotsvit diese Geschichte adaptiert, ausschmückt und in der Hochphase ottonischer Herschaftgestaltung erzählt (in einem Kreis sächsisch aristokratisch geprägter junger Damen). Und die gleiche Konzeption eines Sieges erfolgt in der Darstellung oben genannter Autoren.

Ich bin immer erfreut, wenn sich jemand der Kritik meiner Ideen annimmt!

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