Jüdisches Frühmittelalter

Posted on Januar 20, 2008

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Bei einer Exkursion sind wir heute (HfJS HS) den jüdischen Spuren Kölns nachgegangen.

Sehr anregend waren insbesondere die Textilienfunde im Rahmen des Reliquiars von St Severin. Einmalige Funde und ich bin gespannt auf die Publikation des Befundes Ende Januar.

Auch die Grabungsstätte vor dem Rathaus, in der das mittelalterliche jüdische Viertel ausgegraben werden soll ist beeindruckend, besonders die bauliche Kontinuitäten, die sich von der späten Antike (4. Jhdt.) bis ins 14. Jhdt. zeigen.

Nur warum muss der spätantike Bau unter der mittelalterlichen Synagoge eine Synagoge gewesen sein? (Michael Toch zu folgen ist häufig einfacher, Dunkle Jahrhunderte“. Gab es ein jüdisches Frühmittelalter? 3. Arye Maimon-Vortrag an der Universität Trier, 15. November 2000)

Fraglos interessant sind die Nutzungskontinuitäten bei der Mikwe und bei dem als „Synagoge“ identifizierten Gebäude schon, die auf eine kontinuierlich jüdische Bevölkerung von einer gewissen Stärke in Köln spricht und auch für das  lex generalis von Konstantin (321) in seiner Interpretation hinsichtlich eines jüdischen Kölns sprechen könnte (Sollte sich die Kontinuität als sicher herausstellen. Zuletzt Baltrusch, Die konstantinische lex generalis von 321 an die Stadt Köln und die Juden).

Auffällig und immer wieder fraglich ist das Stereotyp des jüdischen Händlers, den die Forschung ohne zu hinterfragen voraussetzt.

Wie diese Konzepte mit frühmittelalterlichen „Realitäten“ kollidieren kann (ohne, dass es jemand merkt) zeigt sich sehr gut am Beispiel Regensburgs. Hier finden wir im 981 ein Diplom Ottos II (MGH DD.O. II., S. 278 f) das dem Kloster St. Emmeram den Kauf eines Hofes vom Juden Samuel bestätigt. Ein landbesitzender (außerhalb der Stadt residierender) jüdischer Regensburger, der sein Land wohl auch noch durch kgl. Macht erlangt hat (wie sonst wäre dessen Konsultation bei der Abwicklung des Geschäfts erklärbar), der in jeder Beschreibung des jüdischen Regensburg auftaucht. Aber man liest fast nirgends eine andere Erklärung jüdischer Anwesenheit im Osten des Reiches, als die Bedeutung Regensburgs, als Tor nach Osten und Knotenpunkt des Handels.

Die Textilienfunde in St. Severin sind übrigens nur mit Anmeldung zu besichtigen, was aber aufgrund ihrer Einmaligkeit (7. und 10. Jhdt., sehr große seidene Stücke mit einmaligem Erhaltungszustand) nur zu empfehlen ist.

 

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