Digital Natives und Digital Migrants

Posted on Januar 19, 2008

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Die Konzepte von Welt und theoretischen Ansätze versagen vor den vollkommen unerhörten Problemen des Digitalen Zeitalters. Wir haben einfach überhaupt keine Idee wie die Welt und der Mensch und insbesondere sein Geist sich entwickeln werden. Die Personen, die ihre Angst vor der Virtualität der Welt zeigen, in dem sie den enthemmten Fortschritt verdammen und die Beschleunigung der Welt, wohl verwöhnt von der Gemächlichkeit der „klassischen“ Literatur oder allgemein von der textuellen Realität (die übrigens wie uns Hayden White (Auch Klio dichtet oder die Fiktion des Faktischen, Stuttgart 1991)  zeigte auch nur virtuell ist), nicht verstehen und daher verzweifelt die Entschleunigung fordern, zeigen ihren Charakter als verlorene Migranten in der neuen Welt zu deutlich. Das ist keineswegs die arrogante Attitüde eines in die Technik gewachsenen Jünglings gegenüber den alten Herren. Vielmehr bedauerndes (etwas unverständiges) Resignieren, dass die Geisteswissenschaften in Deutschland und in der Welt von einem Blick geprägt wird, der sich nicht in der digitalen Welt zurechtfindet und sich auf Theoriemodelle und Gedankenkonstrukte zurück zieht, die versagen vor der Welt.

Lutger Lüdkehaus (Nichts. Abschied vom Sein, Ende der Angst, Zürich 1999) zeigt uns die Gelassenheit gegenüber der sinnbefreiten (und ganz bewusst ist hier von der Befreiung der Welt von ihrer metaphysischen Belastung gesprochen) Welt, die es uns erlaubt, wenn das erwünscht ist, sie selber mit virtuellem Sinn zu erfüllen. Vielleicht hat Arnold Gehlen (Ende der Geschichte?, in: Geschichte schreiben in der Postmordern hg. v. Christoph Conrad, Stuttgar 1994.) nicht unrecht wenn er vom Funktionieren des Individuums in der Gesellschaft schwadroniert.

Aber wie befreiend wäre es wenn die Welt nur noch Funktionieren und vor sich hin dümpeln würde, wie er es, ich denke nicht ganz richtig und ganz gefärbt vom Blick, der intellektuellen Elite, die nichts, aber auch gar nichts vom Alltagsleben außerhalb des Elfenbeinturms versteht, vom Mittelalter annimmt.

Vielleicht ist der Titel irreführend, aber ich denke der Gegensatz, der sich im Titel ausdrückt ist mehr als ein gewöhnlicher Generationenkonflikt, er ist vielmehr die Umwertung der Werte, die Neudefinition von sozialer Kommunikation, der ganzen Gesellschaft, der Neubeschreibung von privat und öffentlich, das Verhältnis von Mensch und Staat.

Hierbei müssen Ideen und Konzepte abgelegt werden, die zu lange den menschlichen Geist belasten. Und das schlimmste Relikt der „alten Welt“, die Nation muss endlich aus den Köpfen verschwinden.

Abschied vom Sein /Ende der Angst

Nichts: Abschied vom Sein /Ende der Angst von Ludger Lütkehaus (Taschenbuch – Oktober 2004)

Geschichte schreiben in der Postmoderne. Beiträge zur aktuellen Diskussion.

Geschichte schreiben in der Postmoderne. Beiträge zur aktuellen Diskussion. von Christoph Conrad und Martina Kessel (Taschenbuch – Juli 1994)

 

Auch Klio dichtet oder Die Fiktion des Faktischen. Studien zur Tropologie des historischen Diskurses (Greif-Bücher) von Hayden White und Reinhart. Koselleck (Broschiert – 1991)

 

 

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