Wikistoria – Die Suche nach der Wahrheit

Posted on Januar 8, 2008

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Die Macher von Wikistoria haben sich einiges vorgenommen,

wenn sie folgendes Geschichtsverständnis in die Tat umsetzen wollen.

Stell dir einen Film vor, der dir genau zeigt, wie die Menschen früher gelebt und welche Taten sie vollbracht haben!

Ich begrüße kollaborative Ansätze besonders bei der Geschichtswissenschaft, denn nachdem das Feld der zu untersuchenden Gegenständen nach langem intensiven Suchen und Überdenken und Reiben endlich geöffnet und demokratisiert wurde, müsste dies der Geschichtswissenschaft insbesondere (und hier auch im Gegensatz zu vielen anderen Wissenschaften) auch in gewisser Form geschehen.

Der Vorteil an einem relativ geschlossenen und „gelehrten“ Diskurs ist, dass sich relativ vieles erwarten lässt und das Vorstellungen von Geschichte, Objektivität und historischer Wahrheit und Realität in die Diskursgruppe eingedrungen sind, die sie sehr klar abgrenzt von den populären Ansätzen zur Beschreibung der Geschichte. (Jedenfalls so lange wie Historiker für den Diskurs schreiben und nicht Geld verdienen wollen/müssen auf dem Büchermarkt).

Und genau hier wird Wikistoria problematisch. Trotz dass die Teilnehmer kein Geld mit diesem Projekt verdienen können, vielleicht höchstens etwas Identität und neue Freunde aber auf jeden Fall sehr viel Nerven lassen werden, haben die Macher ein sehr populäres Grundkonzept, dass die Idee in sich trägt man könnte Geschichte umfassend und objektiv richtig darstellen.

Zweifelhaft. Schade hierbei ist auch, da vielleicht einige interessante Quellen entstehen, die ähnlich den Projekten der Oral History eine ganz neue Gruppe der Betrachtung eröffnet und so den historischen Diskurs und seine Grundlagen weiter demokratisieren, aber aufgrund des unkontrollierten und vom Grundkonzept her sehr populären Ansatzes keinen Eingang finden wird in die „wissenschaftliche“ Geschichte.

Ich wollte noch einmal kurz darauf zurück kommen, warum ich denke die Teilnehmer dieses Projektes werden viele Nerven lassen. Man betrachte sich nur einmal solche Seiten wie Nationalsozialismus in der Wikipedia und überlege sich nun, was passiert wenn sehr viele Menschen dazu aufgefordert werden ihr Geschichtsbild zu verbreiten.

Dieser Ansatz ist hoch interessant ohne Zweifel. Wir müssen eine Weg finden (und hier glaube ich besonders an die Segnungen der modernen Technik) der es ermöglicht Geschichte visuell multiperspektiv darzustellen und auch offen zu sein für die verschiedenen Perspektiven auf die Geschichte.

Ich freue mich auf Wikistoria, ich denke es wird vielleicht die „wissenschaftliche“ Geschichte ein wenig öffnen und in neue Richtungen stimulieren.

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