Johannes di Plano Carpini

Posted on Dezember 30, 2007

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Ich beschäftige mich derzeit mit der Reise des Carpini zu den Mongolen und im speziellen mit dem geschichtsmächtigen Bild, dass er vom Osten und seinen Bewohnern erschafft.

Ich bin dem Minderbruder sehr geneigt, da er durch seine sehr sachliche und ungewohnt wertfreie Berichterstattung besticht und man ihm einige kleine Lapsi so schnell vergibt. Besonders interessant ist hierbei, dass Carpini eigentlich immer, wenn es auch dem modernen Leser angesichts des Wunderbaren aufstößt, darauf hinweist, dass er es gehört habe oder ein entschärfendes „vermutlich“ hinzufügt.

Aber trotz allem, was mach ich mit diesem Bericht. Es treffen mich angesichts der – Ystoria mongolorum – relativ ewige Fragen, so weit ich diese Metapher für mich beanspruchen kann oder will. Was ist Topos bei dem was Johannes beschreibt, was erkennt er und seine Leser als Topos, sind vielleicht alle Wunderfiguren Topoi oder denkt er doch in diesen Kategorien. Besonders angesichts der Tatsache, dass Johannes kein mal in seinem Bericht darauf hinweist, dass die Tartaren eben keine wunderhaften Monster sind, zwar erklärt er, dass sie ganz anders wie andere Menschen sind, aber er lässt keinen Zweifel daran, dass sie Menschen sind und auch dass er niemals etwas anderes erwartet hat. Wenn man bedenkt, dass  wir die Vorstellung haben das 13. Jahrhundert entdeckt gerade erst die „Fehlerhaftigkeit“ der Väter wie Isidor, überrascht das.

Gleichzeitig haben wir die Voraussetzung, dass dieser Bericht angefertigt wurde, um den Papst und seine Berater und das ganze Abendland informieren sollte, im Speziellen über die Verteidigungsmöglichkeiten gegen die Tataren. Man merkt in seinem Bericht häufig die Voraussetzungen von denen er ausgehen konnte, die wir aber leider nicht mehr haben. Ich denke in diesem Problem liegt ein großes Fragezeichen angesichts unserer Quellenkritik und Methode, wir haben keine Ahnung was in diesen Köpfen wirklich vorhanden ist.

Schöne Zweifel an der ganzen Sache.

Um so mehr man sich mit der Methodik und der Idee der modernen Geschichtsschreibung beschäftigt, das Konzept, dass wir mit der richtigen Methode relativ nahe an die historische „Wahrheit“ kommen, desto mehr muss man daran glauben um nicht seine Studiumswahl auf einmal zu hinterfragen, oder wenigstens seine Lehrer, die fest an die Wissenschaft der Geschichte glauben.

Besonders grandios finde ich hierbei immer Johannes Fried, aber auch andere Mediävisten zeichnen sich hier aus. Wunderbar zu lesende, aber gleichzeitig sachlich und mit allen Belegen ausgestattete Beschreibungen der Geschichte. Besonders spannend an diesen Geschichten ist die dem Autor anscheinend von Clio eingegebene Einsicht in die Gedankenwelt ihrer Protagonisten. Wie häufig habe ich schon die Sätze “ er dachte sich wohl“ oder „seine Absicht war hier“ gelesen und mich unschuldig gefragt, woher er das weiß.

Zurück zu Johannes dem aus Plano Carpini. Was also tun mit dem sympathisch sachlichen Bericht. Heißt das nun, dass wir Johannes glauben können in den meisten Fällen und er alle christliche und abendländische Voreingenommenheit abgelegt hat. Zum Beispiel die sprichwörtliche Hinterlist und Grausamkeit im Kampf der Mongolen, ist das Topos oder Realität?

 

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Posted in: Geschichte