Abschied von der Idee des Rationalen

Posted on November 26, 2007

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Große pathetische Eingangsthese:

Seit Jahrhunderten, was sag ich Jahrtausenden! eigentlich Schon IMMER! hat der Mensch sich von Gott, Göttern und Götzen führen lassen. Und alle drei sind die gleichen Irrbilder durch Fliegenpilze, Weihrauch, ekstatisches Fasten und das Herumspinnen alter Männer verursacht und ihren Gesellschaften aufgezwungen. Wir wissen heute ungefähr warum sich der Mensch Götzen nimmt. Wäre das nicht eine wundervolle Möglichkeit sich freizumachen von diesem alten Konstrukt, dass uns heute mehr Probleme schafft, als es nützt.

Alle großen Verbrechen wurden von Götzenanbetern begangen. Die Kreuzzüge, der Dschihadismus, Hitler, Stalin, alles was mit einer besseren Welt begründet wird, ist im Prinzip nichts anderes als den Götzen der Utopia anzuflehen und ihm Opfer darzubringen, damit das Weltenende schneller uns sündiges und unwerthes Volke reinigt von der elenden Brut und uns endlich in das solang ersehnte Paradies führen möge.

Bullshit

Die Säkularisierung, die ich mir wünschte und eine vollständige und durchdringende Materialisierung und Rationalisierung, die alle Kirchenhäupter dieser Welt fürchten wie die Pest, weil sie sie ihrer Schäfchen berauben würde,  ist leider unmöglich. Die Dummheit der Massen ist grenzenlos und wo der Einzelne ganz klar denkt und seinen nächsten Schritt mit bedacht wählt und die Folgen für andere auch nicht außer Acht lässt, so läuft es doch eigentlich anders. Wir sitzen vor der Glotze stehen in der Menge und johlen oder buhen (was unbedingter Weise auf dem gleichen Rudelverhalten basiert), grölen wenn Deutschland seine Ehre auf dem Schlachtfeld im Wembley-Stadion gegen den elenden Angelsachsen zurückgewinnt. Schaudern vor Glück wenn der Ami in sein nächstes Vietnam rennt und der Russe im Kaukausus mal wieder was auf die Mütze kriegt und wir uns sicher sein können, dass in unserm Teil von Afghanistan alles richtig gemacht wird.

Israel und „regional Palästina“, was für ein abartiges rhetorisches Produkt, das sind fast schon „chirurgische Eingriffe“ mit 500 kg Bomben. Natürlich würde ich den Frieden im Nahen Osten begrüßen, schon allein um in Ruhe ein Semester in Jerusalem studieren zu können. Aber am einfachsten wäre:  Religion und Natio abschaffen einfach wegmachen (oh nun falle ich in biologistische Metaphorik). Nein nicht wegmachen, in dialektischer Auflösung zum Höheren ferneren und weiteren bringen -> da sind wir plötzlich bei Utopia, wir wollten uns doch davon verabschieden. Gut. Einfach nachdenken, einfach einmal die Grundauffassungen  reflektieren und sich bis ins Mark erschüttern lassen vom Staunen der Ratio.

Wer produziert diese Welt? Der Mensch, der wahnsinnig vor Stolz und verletzter Würde, den letzten Funken Lebenslust in seinem durch die Gassen der erdlichen Hölle getriebenen Dasein, umdeutet und plötzlich im Jenseits die Ahnung von Glück findet, die er doch eigentlich verdient hat, als reuiger Sünder und tapferer Streiter für Gott, JHWH, Voltaire, Marx, Chavez, Bush, den Apostel Paulus, den wahren Propheten, Letterman, das Positron, keine Ahnung woran ihr glaubt, aber lasst es.

Denken ist des Menschen vordergründig eigentümlichste Eigenschaft, „sapiens nicht credens“.

 

Was für ein polemisches Pamphlet, aber die Verzweiflung ist groß angesichts des täglichen Wahnsinns.

 

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