Die Kirchenpolitik Frankreichs

Posted on September 1, 2007

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Ja hört sich spannend an. Wäre es auch besonders zur Zeit Napoleons und den darauf folgenden Jahrzehnten.

Aber um 1100 ist das anders. Da gibt es viele kleine und große Adlige, die fest davon überzeugt sind genauso viel Macht, wie der König zu haben. Da gibt es in Frankreich ungefähr 70 Bistümer wovon nur 20 unter die „Kontrolle“ Königs fallen. (Zum Vergleich: der im Investiturstreit gefangene Kaiser, hat in seinem Reich bis dato Kontrolle über jedes Bistum)

Und da ist dieses klitze kleine Problem, dass das christliche Abendland zu diesem Zeitpunkt schon ungefähr ein halbes Jahrhundert durchschüttelt. Die verhasste Reform. Eine freie Kirche herausgelöst aus dem Lehnsverhältnis und damit nur dem Papst also Gott unterstellt, ist doch super. Ja wenn die Könige nur nicht so auf die Truppen der Bischöfe angewiesen wären und natürlich verlangt man von ihnen Folgschaft. (es ist offensichtlich, besonders angesichts der Literatur darüber, ein größeres theoretisches Problem, dass durch die Reform angegangen wird, aus praktikablen und frustrierten Gründen reduziere ich es hier)

Dieser kleine Konflikt um die Reform, zugespitzt könnten wir es auch fast auf die Investitur reduzieren, hat in Frankreich zwischen 1092 und 1106 eine kleine Erhebung in der Spannungskurve.

Man muss sich das wirklich im Vergleich mit der Eskalation im Kaiserreich anschauen: Hier folgt Bann auf Bann, Interdikt, Suspendierung, wird der Papst als Anhänger Satans bezeichnet und die Soldaten des Kaisers werden von ihrem Eid gelöst.

Und dort? – Also in Frankreich

Wenig, sehr Wenig. Es gibt einen Konflikt um die 2. Ehe des Königs (Philipp der I. sah sich außer Stande, nicht die Frau eines seiner Vasallen zu entführen und zu ehelichen, und nebenbei seine eigene Frau zu verstoßen). Diesen Zustand musste auch über fast 10 Jahre beibehalten, da half kein Bann und kein Interdikt.

Ja das ist in seiner Substanz der Investiturstreit in Frankreich. Natürlich gab es Auseinandersetzungen über Bistumsbesetzungen (Beauvais, Paris…). Und diese konnten gelöst werden mit Hilfe der Theorie von Ivo von Chartres (Die Trennung von Spiritualia und Temporalia, sowie die Schaffung der Instrumente des Dispens und der Concessio, und ein bisschen mehr). Aber wären diese Konflikte von ihrer Bedeutung her überhaupt wahrgenommen worden, wäre der König nicht ein, so moralisch abseitig handelndes Subjekt?

Ja das frage ich mich zur Zeit: Zeigen sich Unterschiede in der Kirchenpolitik Frankreichs vor und nach der Designation Ludwig VI. als Rex Francorum

… und es wäre schon ein ganzes Stück einfacher wenn man wüsste wann zwischen 1098 und 1101 Ludwig designiert wurde.

Bei Interesse an diesem:

Becker, Alfons, Studien zum Investiturproblem in Frankreich. Papsttum, Königtum und Episkopat im Zeitalter der gregorianischen Kirchenreform ; (1049 – 1119), Diss. Saarbrücken 1955.

Blumenthal, Uta-Renate, Der Investiturstreit, Stuttgart Berlin Köln 1982.

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