“Wenn du geschrieben hättest Josephus…”

Posted on April 25, 2007

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Ungeschriebene Briefe der jüdischen Geschichte – So der Untertitel – suggeriert Kritik und Satire. Denn das meiste was ungeschrieben geblieben ist, durfte, konnte oder sollte/wollte nicht geschrieben werden, hätte es aber vielleicht sollen. Hinzu kommen Unmöglichkeiten wie ein Brief Theodor Herzls an Shimon Peres. So ist es auch oft die kritische Stimme der Gegenwart, die die Vergangenheit überblickt, die sich hier ihren Raum nimmt und komisch und ernst und des öfteren mit subtiler Wut, Protagonisten der jüdischen Geschichte Briefe schreiben oder empfangen lässt.

Schreiber dieser Briefe zum Beispiele Flavius Josephus, Glikl bas Juda Leib, Moses Mendelsohn, Heinrich Heine, Bertha Pappenheim (Anna O.), Gershon Scholem und Konrad Adenauer. Unter den realen Autoren versammeln sich einige der renommiertesten Wissenschaftler der Jüdischen Studien wie Michael Brenner, Monika Richarz oder Michael A. Meyer.

Die Autoren verstanden es mit einer großen Kenntnis der zeitgenössischen Kultur, Schreibart und Biographie ihrer Alter Egos ein beeindruckend dichtes Bild zu schaffen, mit diesen kurzen Grüßen aus einer anderen Zeit. Besonders spannend sind hierbei die Briefe, die die Nichtbefriedigungen der realen Geschichte endlich auflösen. Zum Beispiel der Brief von Heinrich Graetz an Theodor Mommsen, dessen Reaktion auf Treitschkes Kampagne noch heute enttäuscht. Es sind diese Studien zwischen Literatur und Geschichtsschreibung, die dieses Werk wirklich wertvoll machen.

Es erinnert ein wenig an die antike und mittelalterliche Geschichtsschreibung, gegen die sich die moderne Geschichtsschreibung so/zu vehement abgrenzen will. Die Lesbarkeit und die Möglichkeiten des Geschichte-Erinnerns ganz aufzugeben, für eine vermeintliche Objektivität und Wissenschaftlichkeit, die Niemand von der Historie verlangt, da sich die meisten der fundamentalen Subjektivität des Individuums bewusst sind, kann eben nicht das Ziel sein. Eine so weit ausholende Vermischung von Fiktion und Fakten natürlich ebenso nicht, aber gleichwohl kann sie Anreiz bilden Geschichte wieder spannend und gefühlvoll zu schreiben. Und auch dem Witz und der Ironie ihren Platz einzuräumen

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